
Der runde Taschenspiegel aus Zelluloid trägt eine goldfarbene Werbeaufschrift: „Möbelhaus O. Lang – Rheinfelden – Telephon 162“. Darüber ist ein stilisierter Wohnraum mit Polstermöbeln und Schrankwand abgebildet. An der Unterseite ist eine farbige Zierquaste mit Holzperle befestigt – sowohl dekorativ als auch praktisch in der Handhabung. Der Spiegel selbst befindet sich auf der Rückseite und ist zur Nutzung gedacht, etwa in der Handtasche oder im Jackett.
Wahrscheinlich liess Otto Lang zur oder nach der Eröffnung seines Möbelhauses im Jahr 1926 den Taschenspiegel als Werbeobjekt produzieren.
Carl Martin Lang (1858–1910) führte als Tapezierer und Sattler ein Geschäft im Haus „Zum Schwarzwälder“ an der Brodlaube Nr. 12 in Rheinfelden. Sein Sohn Otto Paul Lang (1884–1952) übernahm nicht nur das Handwerk, sondern nach dem Tod seines Vaters auch den Werkstattstandort. Nach der Gründung einer Familie mit Louise Rosenthaler (1883–1952) im Jahr 1912 – das Paar hatte vier Kinder – baute er 1926 das väterliche Gewerbe zum Möbelhaus O. Lang aus, das er über Jahrzehnte erfolgreich führte.
Solche kleinformatigen Werbespiegel waren zwischen 1890 und 1940 ein beliebtes Kundenpräsent. Sie kombinierten praktischen Nutzen mit sichtbarer Markenpräsenz. Besonders häufig wurden sie von Friseuren, Drogerien und Parfümerien an eine vorwiegend weibliche Kundschaft abgegeben – oder, wie in diesem Fall, von einem Möbelhaus. Die Rückseite – oft aus Zelluloid – bot Platz für Firmenlogo, Produktwerbung oder dekorative Illustrationen.
Der Spiegel begleitet die Menschheit seit frühester Zeit – zunächst als flüchtiges Bild auf Wasser, später als aufwendig gefertigtes Objekt aus Metall und Glas. Bereits in der Antike diente er der Selbstbetrachtung, im Barock wurde er zum Sinnbild für Glanz, Macht und Illusion. Prunkvolle Spiegelkabinette wie in Versailles spiegelten nicht nur Licht, sondern auch gesellschaftlichen Rang wider.
Mit technischen Innovationen – etwa der venezianischen Glasverarbeitung oder der französischen Gussglastechnik – avancierte der Spiegel zum begehrten Luxusgut. Erst im 19. Jahrhundert fand er, dank Silberverzinnung und verbesserter Produktionsmethoden, auch Eingang in das bürgerliche Zuhause. Ob als Zeichen der Eitelkeit, Statussymbol oder magisches Objekt – der Spiegel bewahrt bis heute seinen Zauber.
Nach 1926
FMR L.711