• Die Schiessscharte der Rheinfelder Ringmauer

    Vom Messerturm über den Obertorturm und das Hermannstor beim heutigen Hotel Schützen bis zum Weissen Turm beim Café Graf war Rheinfelden einst von einer Ringmauer mit Wehrgang umschlossen. Der Bau der Ringmauer begann unter den Zähringern; die Ringmauer erreichte schliesslich eine Länge von 730 Metern. Die Errichtung eines solchen Wehrrings demonstrierte Wehrhaftigkeit und Verteidigungsbereitschaft der Stadt.

    Bis heute sind lediglich zwei Abschnitte der Ringmauer erhalten geblieben: Zum einen das Mauerstück zwischen Storchennestturm und Obertorturm, allerdings ohne Wehrgang, zum anderen ein etwa 22 Meter langer Abschnitt an der Kapuzinergasse, der noch über seinen ursprünglichen Wehrgang verfügt. Dieser Teil wurde 1974 restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

    Direkt an diesen Teil der Ringmauer grenzt eine Scheune, deren Dach auf der Stadtmauer aufliegt und dadurch den Wehrgang schützt. Dort befindet sich auch die hier abgebildete Schiessscharte. Als solche bezeichnet man eine schmale Öffnung in der Mauer, die speziell für den Einsatz von Schusswaffen angelegt wurde. Diese Schiessscharten sollten den Schützen gegen aussen schützen, ihm gleichzeitig aber ein möglichst grosses Schussfeld sowie ausreichend Bewegungsfreiheit bieten. Diese Anforderungen konnten aber viele Schiessscharten nicht erfüllen: Sie demonstrierten daher vielmehr symbolisch die Wehrhaftigkeit der Burg oder einer Stadt, als dass sie einen praktischen Nutzen hatten.

    Die Scheune, an welche die Ringmauer grenzt, gehörte ursprünglich zum Wohnhaus in der Kapuzinergasse 18. Private kauften die Scheune 1818 und bauten diese vermutlich anschliessend um. Von 1902 bis 1974 befand sich die Scheune im Besitz des Hotels Schützen. Sie dient dem Fricktaler Museum seit 1983 unter der Bezeichnung "Ringmauerscheune" als Ausstellungsraum für die landwirtschaftliche Sammlung. Seit 2015 – und einer Anpassung im Jahr 2016 – kann die Dauerausstellung "Griff nach den Sternen! – das Grenzland Rheinfelden im bewegten 15. Jahrhundert" erlebt werden.

    FMR D.478