• Tunika mit Doppeladler

    Gelbgoldfarbene Tunika mit Doppeladler und Wappen Vorderösterreichs, seitlich offen mit Metallfransen. Fricktaler Museum

    Habsburgisches Heroldskostüm aus dem historischen Umzug im Jahr 1885

    Die Tunika besteht aus gelbem Brokat und Baumwolle. Auf der Vorder- und Rückseite befindet sich jeweils ein aus schwarzem Samt bestehender Doppeladler, darauf ist das österreichische Wappen platziert. Dieser Adler stellt die Verbindung zu den Habsburgern im Heiligen Römischen Reich her, in deren Besitz das Fricktal bis 1897 war. Als Verzierung dienen verschiedene Posamenten sowie die schwarze samtene Umrandung mit den goldfarbenen Metallfransen des Umhangs. Als Schliessmechanismus dienen am Hals zwei Knöpfe sowie auf beiden Seiten auf Hüfthöhe je zwei schwarze Bänder.

    Die Tunika diente als Kostüm: So trug es der spätere Stadtförster Gustav Alois Schmid 1885 am historischen Festumzug "Empfang und Einzug Kaiser Ferdinands in Rheinfelden vom 08.01.1563", ein Jahrhundert später wurde es vom Kaminfeger Walter Oeschger 1991 "Jahrhundertfeier im Fricktal [700 Jahre Eidgenossenschaft]" getragen.

    Die Tunika ist Bestandteil eines ganzen Kostüms inklusive federgeschmücktem Hut, Jacke mit rotweissen Puffärmeln, schwarzweisser Puffhose und Strumpfhosen. Das gesamte Kostüm war für einen Herold gedacht, einen Amtsträger, welcher seit dem 14. Jahrhundert so bezeichnet wurde. Herolde waren dafür zuständig, bei Turnieren ordnend einzugreifen. Um dies zu bewerkstelligen, mussten sie die Wappen kennen, weshalb sie Wappenregister anlegten. Dieser Amtsname war dann auch der Namensgeber für die wissenschaftliche Wappenkunde: die Heraldik.

    Anna Pauline Brogle-Reimann nähte die gelbgoldfarbene Tunika vor dem Festumzug 1885. Eleonore Schmid, die Tochter von Gustav Alois Schmid, schenkte sie 1972 der Hauswirtschaftslehrerin und Hobbyschneiderin Hedwig Ruther-Büttiker, welche sie restaurierte. Das Herolds-Kostüm gelangte als Schenkung von Hedwig Ruther-Büttiker ins Fricktaler Museum.

    um 1885
    FMR E.992