• Gästebuch aus dem Salmenstübli

    Aufgeschlagenens Gästebuch aus dem Salmenstübli in Rheinfeldern, um 1880, FMR F.173

    Dies ist das Gästebuch des "Salmenstübli" von 1880. Es ist in Leder gebunden, mit silbernen Messingbeschlägen an den Ecken versehen und weist auf ca. 150 Seiten diverse Gedichte, Liedtexte, Illustrationen, eingeklebte Zeitungsartikel etc. auf. Das Buch liegt in einer hölzernen Kiste, auf deren Deckel eingeschrieben in zwei Banner die Worte "Salmenstübli`s Gastbuch" stehen. In der Mitte befindet sich ein wenig erhöht ein schmiedeeiserner Henkel, flankiert von der Inschrift: "1799, F. I. Dietschy, Brauerei Salmen" auf der linken Seite und "1884, C. Habich-Dietschy in Rheinfelden" auf der rechten Seite. Die Schatulle ist auf allen Seiten mit verschiedenen Ornamenten verziert, wie z.B. Vögel, Blumen oder dem sechseckigen Stern. Dieser ist das Zunftzeichen der Brauer und versehen mit einem Lachs (Salm) in der Mitte ist es das Logo der Salmenbräu.

    Das "Salmenstübli" befand sich im Wirtshaus "Zum Salmen". Franz Josef Dietschy (1770-1842) kaufte dieses Rheinfelder Wirtshaus am 04. April 1799 mitsamt den damit einhergehenden Bierbraurechten, dies war der Beginn der Brauerei "Zum Salmen", später Salmenbräu. Im Haus zur Sonne, dem Nebenhaus des Wirtshauses "Zum Salmen" und späteren Wohnhaus der Familie Habich-Dietschy, hat sich früher die Herrenstube befunden, in der sich die Herren der Stadt für einen Trunk trafen. Um das Jahr 1880 entstand das "Salmenstübli" als Ersatz für die einstige Herrenstube. Da das Lokal nun im Wirtshaus "Zum Salmen" angesiedelt war und nicht mehr bloss einer geschlossenen Gruppe zugänglich sein sollte, wurde es "Salmenstübli" getauft.

    Durch das Gästebuch erfahren wir namentlich, wer im "Salmenstübli" verkehrte und teilweise auch, welchem Beruf diese Personen nachgingen oder in welchen Vereinen sie aktiv waren. Des Weiteren werden in den Beiträgen auch Hinweise auf die gesellschaftliche und politische Situation zu dieser Zeit gegeben. Die zentralen Themen in den Beiträgen sind jedoch das "Salmenstübli" und das Bier, welches dort verkauft wurde. So gibt es beispielsweise das Lied "Der Geist im "Salmenstübli" von Heinrich Reiser (1805-1889), einem Schriftsteller und Komponisten, der in Rheinfelden wohnte. Dieses Musikstück enthält einen "Bier-Choral", welcher explizit gesungen werden sollte, wenn mehrere Personen ein neues Getränk haben. Was ein paar Biere auslösen können, stellt hingegen an anderer Stelle ein Cartoon dar. In diesem ist ein Bier zu sehen, welches sich bildlich in einen Kater verwandelt. Dass das "Salmenstübli" beliebt war, zeigt ein Liebesgedicht von 1883 mit dem Titel "Mein Liebchen", bei welchem sich im Verlauf des Gedichtes herausstellt, dass mit Liebchen das "Salmenstübli" selbst gemeint ist.

    Von 1880 bis ca. 1952
    FMR F.173